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"Frei, aber verpönt"

 

Aus ihrem gleichnamigen Buch über ihre Großtante Irmgard Heiss las die Berliner Autorin Barbara Stellbrink-Kesy am 16.6. für die EF.

Irmgard Heiss wurde im Jahr 1944 Opfer der NS-Euthanasiepolitik. Nachdem sie als Tochter einer bürgerlichen Familie "unter ihrem Stand" geheiratet hatte, sich bald scheiden ließ und ein uneheliches Kind bekam, verlor sie die Unterstützung ihrer Eltern, die sie entmündigen lassen wollten. "Frei, aber verpönt" - so beschrieb sie selbst ihre Lebenssituation. Irmgard wurde von ihren Kindern getrennt und lebte in verschiedenen Heilanstalten. Sie entging zwar der "T-4-Aktion", dem systematischen Mord an Behinderten und psychisch Kranken in Gaskammern, aber sie starb schließlich an Auszehrung und Hunger und war damit ein Opfer der "wilden Euthanasie", die auch nach dem Ende der "Aktion T 4" fortgesetzt wurde: Ärzte töteten ihre "lebensunwerten" Patientinnen und Patienten durch Mangelernährung und schlechte Pflege. Auch Irmgards Bruder Karl-Friedrich Stellbrink, der seine Schwester immer unterstützt hatte, wurde ein Opfer des NS-Regimes: Er war Pfarrer in Lübeck und wurde mit drei katholischen Geistlichen wegen seiner Opposition gegen den Nationalsozialismus hingerichtet.

Mit Familienbildern ergänzte Barbara Stellbrink-Kesy ihre Lesung und führte den Schülerinnen und Schülern so ein unbekanntes Kapitel der NS-Geschichte vor Augen. "Unerhörte Geschichte" lautet der Titel ihres Buches, denn, so erzählte die Autorin, auch in ihrer Familie ist Irmgards Schicksal weitgehen verschwiegen worden. Ermöglicht hatte die Lesung das Kuratorium "Erinnern, Forschen, Gedenken", das Frau Stellbrink-Kesy nach Herford eingeladen hatte. Herr Laue, ehemaliger Archivar und Mitglied des Kuratoriums, begleitete die Lesung mit Informationen zu Herforder Euthanasieopfern. Vielen Dank für die Unterstützung!

 

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