Philosophie

Praktische Philosophie in der Mittelstufe

Das Fach Praktische Philosophie wird in den Jahrgangsstufen 8 und 9 unterrichtet, soweit Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Am Unterricht nehmen die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe teil, die nicht den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht besuchen.

Viele Fragen, die im Fach Praktische Philosophie behandelt werden, weil es vornehmlich um die Auseinandersetzung mit Sinn- und Wertfragen geht, werden auch von den Religionen gestellt: Was darf ich tun, was muss ich lassen? Habe ich eine Seele, die nach meinem Tod weiterlebt? Warum und wozu lebe ich? – Die Herausforderung liegt hier nicht allein darin, auf diese Fragen eine Antwort zu versuchen. Ein besonderer Reiz liegt in dem Versuch, gemeinsam Gründe zu finden, aus denen diese Fragen wichtig sind.

Philosophie in der Oberstufe

In der Sekundarstufe II kann Philosophie auch als Klausurfach gewählt werden. Die Schülerinnen und Schüler können Philosophie als 3. oder 4. Abiturfach wählen.

In der Einführungsphase (EF), also im ersten Jahr in der Oberstufe, werden im ersten Halbjahr wichtige Teilgebiete der Philosophie vorgestellt und dabei die grundlegenden Methoden des Philosophierens eingeführt. Hierzu gehören Methoden der Textanalyse und Textrekonstruktion, das Gedankenexperiment, die Begriffsanalyse und das schlüssige und formal korrekte Argumentieren.

Das Rahmenthema des zweiten Halbjahres der EF ist die Anthropologie. Die Frage, die hier facettenreich beleuchtet werden kann, lautet: Was ist der Mensch?

Eine Einführung in die Ethik erfolgt im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase 1 (Q1). Der Auseinandersetzung mit den Klassikern (zum Beispiel Bentham, Mill, Kant, Jonas) ist hier die Erarbeitung metaethischer Standards vorgeschaltet: Was kennzeichnet moralisches Argumentieren? Welche Standards muss ich einhalten, um nicht dogmatisch zu urteilen, sondern so, dass sich ein interessierter, verständiger Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe und in der Sache fair und kritisch mit mir und meinen Argumenten auseinandersetzen kann? Wie erkenne ich Fehlschlüsse? usw.

Probleme von Politik, Recht, Staat und Gesellschaft werden dann im zweiten Halbjahr der Q1 bearbeitet. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Textarbeit: staatsphilosophische Klassiker (zum Beispiel Locke, Hobbes, Kant) müssen so rekonstruiert werden, dass die Rekonstruktion dem Autor gerecht wird, man ihn vor vorschneller Kritik schützen kann und sich gerade dadurch in die Lage setzt, ihn in der Sache fair und unter Umständen auch hart zu kritisieren. Neben den Vorzügen sollen und müssen schließlich auch die Schwierigkeiten seines Problemlösungsvorschlages erkannt und deutlich gemacht werden.

In Q2 stehen dann Probleme des Denkens, Erkennens und der Wissenschaft auf dem Programm. Ähnlich wie im Halbjahr zur Ethik wird die Erarbeitung von Klassikern (zum Beispiel Platon, Hume, Dilthey, Popper) auch hier methodisch gestützt: durch eine Einführung in die Argumentationstheorie, die die in den ersten beiden Oberstufenjahren bereits angewandten Methoden der Rekonstruktion und Analyse von Argumenten weiter präzisiert. Die Technik der logischen Analyse kann dann in der Auseinandersetzung mit den Klassikern gewinnbringend genutzt werden. Generell stellt sie ein feines Instrumentarium dar, wenn es gilt, berühmte Schlüsse aus den Bereichen Erkenntnistheorie, Metaphysik, Philosophie des Geistes auf ihre Haltbarkeit hin zu überprüfen (zum Beispiel Anselms Gottesbeweis; Putnams Beweis dafür, dass wir keine Hirne im Tank sind; usw.).